CDU gewinnt die Wahl, AfD wird zweitstärkste Kraft vor der SPD
Der Landeswahlausschuss hat am 7. März 2025 das endgültige Ergebnis der Bundestagswahl in Rheinland-Pfalz festgestellt: Die CDU gewinnt die Wahl deutlich mit 760.600 Stimmen, das sind 184.100 mehr als vier Jahre zuvor (+32 Prozent). Ihr Stimmenanteil liegt mit 30,6 Prozent um 5,9 Prozentpunkte höher als 2021. Die Christdemokraten waren bislang bei fast allen Bundestagswahlen in Rheinland-Pfalz – mit Ausnahme der Jahre 1998 und 2021 – stärkste Partei.
Zu den Gewinnern der Bundestagswahl zählt die AfD, die ihr Wahlergebnis verdoppelt: Die Partei erhält in Rheinland-Pfalz 498.700 der abgegebenen Zweitstimmen, das sind 283.500 Stimmen bzw. 132 Prozent mehr als 2021. Mit einem Stimmenanteil von 20,1 Prozent (+10,9 Prozentpunkte) wird die AfD zweitstärkste Partei.
Die SPD verliert im Vergleich der Parteien die meisten Wählerinnen und Wähler und liegt mit 462.700 Zweitstimmen hinter der AfD auf Platz drei. Die Sozialdemokraten erhalten 222.800 Stimmen weniger als 2021 (–33 Prozent). Der Stimmenanteil der SPD erreicht mit 18,6 Prozent (–10,8 Prozentpunkte) einen historischen Tiefstand in Rheinland-Pfalz. Auch in allen anderen Bundesländern verliert die SPD deutlich Stimmenanteile und ist zum ersten Mal nur noch drittstärkste Kraft bei einer Bundestagswahl.
Die GRÜNEN kommen auf 256.900 Zweitstimmen, das sind 36.300 weniger als vor vier Jahren (–12 Prozent). Ihr Stimmenanteil liegt mit 10,3 Prozent um 2,3 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2021, als die GRÜNEN das für sie beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl in Rheinland-Pfalz erzielten. Ebenso wie die SPD verlieren die GRÜNEN in allen Bundesländern Stimmenanteile, jedoch in deutlich geringerem Ausmaß.
Nach Verlusten bei den vorangegangenen Wahlen kann die Partei Die Linke deutliche Stimmengewinne verbuchen: Die Zahl ihrer Zweitstimmen steigt um 85.700 auf 161.900 (+113 Prozent). Der Stimmenanteil der Partei erhöht sich um 3,2 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent. Für Die Linke ist dieses Ergebnis das drittbeste bei einer Bundestagswahl in Rheinland-Pfalz.
Das Ergebnis der FDP hat sich mehr als halbiert: Sie erzielt 114.000 Zweitstimmen, 158.400 weniger als 2021 (–58 Prozent). Der Stimmenanteil der Liberalen erreicht mit 4,6 Prozent (–7,1 Prozentpunkte) einen historischen Tiefstand in Rheinland-Pfalz. Die FDP verzeichnet – wie ihre ehemaligen Koalitionspartner SPD und GRÜNE – in allen Bundesländern Einbußen und scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erhält bei seiner ersten Bewerbung um Mandate des Bundestages in Rheinland-Pfalz 105.100 Zweitstimmen. Dies entspricht einem Stimmenanteil von 4,2 Prozent. Mit bundesweit 4,98 Prozent der Zweitstimmen verpasst das BSW knapp den Einzug in den neuen Bundestag.
Die FREIEN WÄHLER erzielen 52.000 Zweitstimmen, das sind 32.400 Stimmen weniger als vier Jahre zuvor (–38 Prozent). Ihr Stimmenanteil reduziert sich um 1,5 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent. Auch in Deutschland insgesamt bleiben die FREIEN WÄHLER mit 1,5 Prozent deutlich unter der für den Einzug ins Parlament notwendigen fünf Prozent der Zweitstimmen.
Die sonstigen Parteien kommen zusammen auf 70.400 Stimmen bzw. drei Prozent der Zweitstimmen. Damit entscheiden sich deutlich weniger Wählerinnen und Wähler für eine der kleineren Parteien als 2021. Damals hatte der Anteil bei 5,5 Prozent gelegen. Den höchsten Stimmenanteil unter den sonstigen Parteien verbucht die Tierschutzpartei mit 1,3 Prozent der Zweitstimmen.
Zweitstimmenanteil ausgewählter Parteien in Rheinland-Pfalz
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© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Abweichungen zwischen Urnen- und Briefwahlergebnis
Seit 1957 können Wählerinnen und Wähler bei Bundestagswahlen nicht nur an der Wahlurne, sondern auch per Brief wählen. Inzwischen ist die Stimmabgabe per Briefwahl für viele Wählerinnen und Wähler der bevorzugte Weg der Stimmabgabe. Im Rahmen der jüngsten Bundestagswahl lag der Briefwahlanteil in Rheinland-Pfalz bei 45,7 Prozent, d. h. annähernd jeder zweite Stimmzettel ging per Briefwahl ein. Wie bereits im Beitrag „Unterschiede zwischen Brief- und Urnenwahl“ (Datenblick 2/2025) beschrieben lassen sich bei zurückliegenden Wahlen für die einzelnen Parteien zum Teil deutliche Abweichungen im Stimmverhalten zwischen Brief- und Urnenwahl erkennen.
Diese Abweichungstrends zwischen Urnen- und Briefwahl in Rheinland-Pfalz haben sich bei der Bundestagswahl 2025 weitgehend bestätigt. Noch deutlicher als bei der letzten Bundestagswahl vor gut drei Jahren lagen das Urnen- und das Briefwahlergebnis der AfD auseinander. Sie erreichte bei der Stimmabgabe an der Urne einen Zweitstimmenanteil von 25,9 Prozent, per Brief wählten 13,3 Prozent die AfD. Dies entspricht einer Differenz von 12,6 Prozentpunkten. Bei der letzten Bundestagswahl 2021 lag die Differenz zwischen Urnen- und Briefwahlergebnis für die AfD noch bei 7,4 Prozent. Mehr als zwei Drittel der AfD-Wählerinnen und -wähler gaben ihre Stimme bei dieser Wahl an der Urne ab. Die CDU erzielte dagegen per Urnenwahl ein deutlich niedrigeres Zweitstimmenergebnis als per Briefwahl. An der Urne erhielten die Christdemokraten 26,7 Prozent, per Brief stimmten 35,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die CDU ab. Die Differenz lag damit bei –8,6 Prozentpunkten.
Deutlich geringere Abweichungen sind in den Wahlergebnissen der übrigen Parteien zu beobachten. Auf die SPD entfielen 17,1 Prozent der Urnenwahlstimmen gegenüber 20,4 Prozent der Briefwahlstimmen. Dies entspricht einer Differenz von –3,3 Prozentpunkten. Die GRÜNEN erhielten 9,7 Prozent der Urnenwahlstimmen und 11,2 Prozent der Briefwahlstimmen und (Differenz –1,5 Prozentpunkte). Bei der FDP ist die Abweichung der Stimmergebnisse gering. An der Urne wählten 4,7 Prozent die FDP, per Briefwahl 4,5 Prozent (Differenz 0,2 Prozentpunkte). Wie schon bei früheren Wahlen zu beobachten erzielte Die Linke an der Urne ein höheres Ergebnis als per Briefwahl. Auf sie entfielen 7,3 Prozent der Urnenwahlstimmen und 5,6 Prozent der Briefwahlstimmen (Differenz 1,7 Prozentpunkte). Das erstmals bei einer Bundestagswahl angetretene BSW schnitt ebenfalls an der Urne mit 4,5 Prozent der Stimmen etwas besser ab als per Brief mit vier Prozent.
Differenz zwischen Urnen- und Briefwahlergebnis
Prozentpunkte
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Wahlrechtsreform: Rund 100 Sitze weniger im neuen Bundestag
Im Plenarsaal des Berliner Reichstags wurden rund hundert Stühle abgebaut: Die 2023 beschlossene Wahlrechtsreform beschränkt die Zahl der Abgeordneten auf 630. Ziel der Reform ist eine Verkleinerung des Deutschen Bundestages und die Vorhersehbarkeit von dessen Größe. Die bisherige Zielgröße von 598 Sitzen wurde in den vergangenen Wahlperioden durch Ausgleichs- und Überhangmandate immer weiter überschritten. Überhangmandate gab es bisher, wenn eine Partei über die Erststimmen mehr Direktmandate in den Wahlkreisen gewonnen hatte, als ihrem Zweitstimmenergebnis entsprach. Damit das Kräfteverhältnis der Parteien erhalten blieb, wurden die Überhangmandate mit zusätzlichen Ausgleichsmandaten kompensiert. Dem 20. Bundestag gehörten insgesamt 736 Abgeordnete an.
Für das parlamentarische Kräfteverhältnis ist weiterhin die Zweitstimme ausschlaggebend, d. h., die 630 Sitze des Bundestags werden anhand des Zweitstimmenergebnisses auf die Parteien verteilt. Nach dem Ergebnis der Bundestagswahl am 23. Februar gehören dem 21. Bundestag sieben Parteien an: Stärkste Fraktion ist die Union aus CDU und CSU mit 208 Sitzen. Die AfD wird mit 152 Abgeordneten zweitstärkste Fraktion, gefolgt von SPD (120), Bündnis90/Die Grünen (85) und der Partei Die Linke (64). Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde und ist im neuen Bundestag nicht mehr vertreten. Ein Mandat entfällt auf den in Schleswig-Holstein beheimateten Südschleswigschen Wählerverband (SSW). Die Minderheitenpartei profitiert von einer Sonderregel im Wahlrecht.
Die Erststimme entscheidet, wie bisher, über das Direktmandat im Wahlkreis. Jedoch ist nun eine Zweitstimmendeckung erforderlich: Die auf Bundesebene ermittelten Sitze je Partei werden anhand des jeweiligen Zweitstimmenergebnisses auf die Bundesländer verteilt: In Rheinland-Pfalz gehen elf Sitze an die CDU, jeweils sieben Sitze an AfD und SPD, vier an die GRÜNEN und zwei an Die Linke. Insgesamt gehören 31 Abgeordnete aus Rheinland-Pfalz dem neuen Bundestag an.
In den einzelnen Bundesländern werden die Sitze nun zunächst an die Gewinnerinnen und Gewinner der Wahlkreise vergeben. Übersteigt die Zahl der Direktmandate die Zahl der einer Partei zugeteilten Sitze, können die Direktmandate mit dem geringsten Erststimmenanteil nicht in den Bundestag einziehen. Bei der Bundestagswahl 2025 betrifft dies insgesamt 23 Direktkandidaten, darunter drei aus Rheinland-Pfalz. Wenn allen erfolgreichen Wahlkreisbewerbern ein Sitz zugeteilt wurde, der Partei in dem Bundesland aber nach dem Zweitstimmenergebnis noch weitere Sitze zustehen, werden diese nach der Landesliste vergeben.